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Autobenzin aus der Apotheke


Stadtteil: Schöneberg
Bereich: Innsbrucker Dreieck
Stadtplanaufruf: Berlin, Nymphenburger Straße
Datum: 18. März 2019
Bericht Nr.:650

Schöneberg hat eine ganze Reihe von Stadtquartieren wie Akazienkiez, Nollendorfkiez, Rote Insel, Bayerisches Viertel, Stadtpark. Das Dreieck zwischen Stadtpark (Rudolph-Wilde-Park) und Innsbrucker Platz blieb namenlos, nennen wir es einfach "Innsbrucker Dreieck". Es ist ein gutbürgerliches Wohnviertel. Dort ist um 1900 die Terraingesellschaft Groß-Berlin tätig geworden, um das Quartier zu entwickeln. Die denkmalgeschützten Wohnbauten in der Ebersstraße, Kärntener Straße und Gustav-Freytag-Straße sind mehrheitlich 1899 bis 1901 errichtet worden.

Die Wohnhausgruppen in der Hewaldstraße und Nymphenburger Straße entstanden zehn Jahre später. Diese Ensembles sind in ihrer Ausgestaltung außergewöhnlich.

Die kurzen Straßen mit einer parkähnlichen Mittelinsel richten sich nach Norden zum Stadtpark hin aus. Die Bebauung ist einheitlich im Charakter, aber individuell, was die einzelnen Bauten angeht. Einen ganz anderen Ansatz hatte beispielsweise die Haberland'sche Terraingesellschaft am Rüdesheimer Platz gewählt und die Einzelobjekte einem strengen Reglement unterworfen, das der Individualität Grenzen setzte.


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Innsbrucker Platz
An der Innsbrucker Straße bauten Mebes und Emmerich in den 1920er Jahren für die Degewo ein Wohnhausensemble mit Hochhaus am Innsbrucker Platz. Es soll der erste Wohnturm Berlins sein und Mieten zehn Prozent über dem Durchschnittswert des Mietspiegels bringen, obwohl hier "in alle Richtungen Verkehr“ ist. Hier treffen sich und kreuzen sich Autobahn und Hauptstraßen, S-Bahn, U-Bahn und Bus. Unter dem Innsbrucker liegen unbenutzten Bahnhofshallen der Geisterlinie U 10, für die Gründerzeitbauten abgerissen wurden. Der Platz hat keine Aufenthaltsqualität, er dient zum Durchfahren, Abbiegen, Umsteigen.

Vergessene Architekten
Bei unseren Stadtspaziergängen kommen immer wieder Baumeister und Architekten in den Fokus, die funktionelle, ausdrucksvolle, faszinierende, interessante Bauten geschaffen haben. Doch beim Nachforschen ergeben sich unerwartet große Lücken: Wie kann es sein, dass für viele Baukünstler biografische Daten und Lebensläufe fehlen, von Werksangaben ganz zu schweigen? Die Lebensläufe vergessener jüdischer Architekten werden systematisch untersucht, das gilt auch allgemein für emigrierte Baumeister. Wer in der Nazizeit in Deutschland blieb, wurde mangels Bauaufträgen schnell vergessen. Und es gibt auch Namen, die aus anderen Gründen dem Vergessen anheimfielen. Im Rahmen dieser Homepage will ich hier auf vergessene Architekten aufmerksam machen.

Transatlantische Güterversicherungs-Gesellschaft
Am Potsdamer Platz ist von der Vorkriegsbebauung des Geschäftsviertels am Landwehrkanal nur ein Versicherungsgebäude stehen geblieben, bei der Neugestaltung des Platzes wurde ihm auch die flankierende Schellingstraße weggenommen. Der Architekt Paul Karchow errichtete das viergeschossige Geschäftshaus 1913 für die Transatlantische Güterversicherungs-Gesellschaft, ein Versicherungsunternehmen, das sich auf den Überseehandel spezialisiert hatte. Als Fassadenschmuck verweisen die Köpfe eines Afrikaners, eines Chinesen und eines Amerikaners auf den Überseehandel. Heute nutzt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den Bau, der jetzt "GIZ-Haus" genannt wird.

Der Architekt Paul Karchow hat für diese Versicherungsgesellschaft 1938 ein weiteres repräsentatives Verwaltungsgebäude in der Fritz-Elsass-Straße gebaut. Der Zeitgeist spiegelt sich deutlich an der Fassade mit vorgezogenem Eingangsbereich. Der Dachfirst wird von einem Adler bekrönt mit Wappen von Berlin und dem Firmensitz Dresden unter seinen ausgebreiteten Flügeln. Vier männliche Figuren als Fassadenschmuck tragen Requisiten wie ein Steuerrad.

Paul Karchow, von dem nicht einmal Geburts- und Todesjahr genau bekannt sind (1874 - 1943 ?), hat in Berlin die Gasanstalt Oberspree in der Wilhelminenhofstraße errichtet, das Gaswerk Mariendorf, die Agfa-Fabrik in Alt-Treptow und Aceta-Fabrik in Rummelsburg. Das von ihm gebaute Landhaus in der Lassenstraße in Dahlem wird heute von der Polnischen Botschaft genutzt. Industriebauten, Bürohäuser, Landhäuser, zu deren Architekt kaum mehr als der Name überliefert ist.

Bayerische Stickstoff-Werke, RIAS, Deutschlandfunk
In der Fritz-Elsass-Straße - benachbart zum Versicherungsbau von Paul Karchow - begannen zeitgleich die Bayerischen Stickstoff-Werke mit dem Bau eines Verwaltungsgebäudes. Die Fabrik stellte in Trostberg (Oberbayern) chemische Produkte wie landwirtschaftliche Düngemittel her. Im Zuge der Planungen für Hitlers Welthauptstadt Germania mussten die Stickstoff-Werke ihre Berliner Repräsentanz in Mitte räumen, obwohl sie ein kriegswichtiger Zulieferer waren. Trotz kriegsbedingten generellen Baustopps konnten der Neubau mit Sondergenehmigung realisiert werden. Der Architekt Walter Borchard hielt sich nicht an die nationalsozialistische Baugesinnung, sondern erstellte selbstbewusst einen Bau der Neuen Sachlichkeit mit einer in weitem Bogen gerundeten Ecke wie beim nahegelegenen Nordsternhaus, dessen Entwurf er als Mitarbeiter von Paul Mebes mitgestaltet hatte.

Die Stickstoffwerke gehörten in der Nazizeit zum Chemiekonzern IG Farben, der nach Kriegsende von den Siegermächten zerschlagen wurde. Inzwischen ist das Stickstoff-Unternehmen in der Degussa aufgegangen. Das Verwaltungsgebäude in der Fritz-Elsass-Straße wurde von der US-Militärverwaltung ab 1948 nach Umbau als Funkhaus für den RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) belegt. Anfangs hatte der amerikanische Besatzungssender vom Fernsprechamt Winterfeldstraße aus über "Drahtfunk" gesendet. Mangels Sendeanlagen wurden dabei intakte unterirdische Telefonkabel ("Draht") als Signalleitung verwendet.

Mittags um 12 Uhr sendete der RIAS das Geläut der von den Amerikanern geschenkten Freiheitsglocke im Rathaus Schöneberg. In das Glockengeläut wurde voller Pathos ein Freiheitsgelöbnis eingesprochen, das die Verpflichtung einschloss: "Ich verspreche, jedem Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo auch immer sie auftreten mögen". Das war in Zeiten des kalten Krieges als klare Botschaft auch an Ost-Berlin und Moskau gerichtet.

Nach der Wende wurden RIAS I, Deutschlandsender Kultur und Deutschlandfunk im RIAS-Funkhaus zum DeutschlandRadio zusammengelegt. Der neue Sender störte sich daran, dass immer noch die Leuchtschrift RIAS über seinem Haus thronte, aber der Denkmalschutz blieb hart und erlaubte nur eine zusätzliche Beschriftung.

Dafür rächte sich der neue Sender und zog die Beschriftung "Deutschlandradio", ergänzt um die Sendernamen, über die gesamte Rundung des Hauses. Dabei sind die Zwischenräume zwischen den Buchstaben doppelt so breit wie die Buchstaben selber, der Name ist dadurch schwerer lesbar, aber der RIAS war in den Hintergrund gedrängt.


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Olex
Am nördlichsten Punkt des Innsbrucker Dreiecks baute die Olex (Aktiengesellschaft für österreichische und ungarische Mineralölprodukte) 1922 ein Verwaltungsgebäude. Den Kunstnamen Olex bildete sie aus den mittleren vier Buchstaben des Kurznamens "Petrolexport". Angrenzend an den Bürobau errichtete die Olex die erste Tankstelle Deutschlands. Vorbei waren die Zeiten, als Bertha Benz mit dem Automobil ihres Mannes 1888 vor einer Apotheke anhielt, um Waschbenzin zu kaufen. Benzin wurde ab 1900 von Kolonialwarenhändlern, Fahrradhandlungen, Hotels und Gaststätten vorgehalten und in beliebige Behälter wie Milchkannen oder Flaschen abgefüllt. Den Bautypus der Tankstelle hat 1917 eine Ölgesellschaft in Indiana (USA) entworfen, er ist bis heute gültig: Zapfsäulen unter einem freistehenden Dach, verglastes Kassenhäuschen etwas abseits, Preismast an der Straße.

Auf dem Treibstoffmarkt waren mehrere ausländische Gesellschaften wie die russische Derop im Wettbewerb. Das größte deutsche Unternehmen war der von Bergbauunternehmen gegründete Benzolverband, aus dem die Aral hervorging. Die Olex ging in der DEA auf, der das Verwaltungsgebäude an der Dominicusstraße bis 1956 gehörte. Heute nutzt der Wirtschaftssenat den Bau.

Katholische St. Norbert Kirche
Durch historische Bebauung eine Bresche schlagen, so hatte Baron Haussmann in Paris die Boulevards geschaffen. Für Hitlers Welthauptstadt Germania wurden ganze Stadtquartiere vernichtet. Die DDR legte mit dem Mauerbau Postenwege und Todesstreifen mitten durch die Stadt. Im Nachkriegs-Berlin waren die Stadtplaner überzeugt, dem Fortschritt zu dienen, als sie für den autogerechten Ausbau Schneisen durch die Stadt schlugen. Einem solchen Projekt ist in der Dominicusstraße die St. Norbert-Kirche zum Opfer gefallen. Der Teil der Kirche, der der Verbreiterung der Straße im Wege stand, wurde abgerissen.

Den Abriss überlebte nur der byzantinischen Rundbau, er blieb stehen und wurde mit einem Betonbau umfangen. Zur Straße steht seitdem eine riesige betonsichtige Wand, an der das Auge keinen Halt findet. Im Hintergrund erkennt man einen Bauteil in Form eines Zeltes, der "Hütte Gottes unter den Menschen", aus dessen Abbild sich Kirchenbauten entwickelten. Die St. Norbert-Kirche ist ein Bau der Nachkriegsmoderne, der starke Emotionen weckt.


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In der Martin-Luther-Straße Ecke Heylstraße finden wir einen Italiener für unser Flaniermahl. Auf der Speisekarte steht nur ein einziges(!) Fleischgericht, das Spring-in-den-Mund (Saltimbocca alla Romana), eines meiner Lieblingsgerichte. Kalbschnitzel, Schinken und Salbei, das Schnitzel sehr mager und wunderbar zart, so soll es sein. Was auf den Tisch kommt ist so sehnig, dass es ungenießbar ist. Es geht zurück, ein neuer Versuch. Kaum eine Verbesserung, dafür bietet man mir an, es zum Mitnehmen einzupacken. Besser kann es dadurch wohl kaum werden, aber der unzufriedene Gast wäre aus dem Haus. Mein Rat: Ristorante Ri Trovo lieber nicht betreten, die kommen nicht mal mit dem einzigen angebotenen Fleischgericht zurecht.

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Unsere Route:
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Nicht für das Leben lernen wir