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Ich bin dann mal weg


Stadtteil: Reinickendorf
Bereich: Heiligensee, Schulzendorf
Stadtplanaufruf: Berlin, Alt Heiligensee
Datum: 29.9.2008

Hier wohnen jene Leute, "die seltener genötigt sind, nach Berlin hineinzufahren". So schrieb man 1908, und so gilt es vielleicht auch noch heute. Das Dorf Heiligensee hat seinen dörflichen Charakter weitgehend in die heutige Zeit retten können. Der Dorfanger Alt Heiligensee mit seiner Lage eingeklemmt auf einer Halbinsel zwischen dem Nieder-Neuendorfer See und dem Tegeler See ist umstanden von einer Schule, Bauernhäusern mit Schmuckfassaden, Scheunen und Ställen (darunter einem Pferdestall), einigen Villen. Auf dem Anger stehen die Kirche mit Friedhof, das Feuerwehrhaus und die Schmiede, umgeben von Maulbeerbäumen (Plantage aus dem 18.Jhdt.), Linden und Kastanien. Die Gebäude werden unserer heutigen Zeit entsprechend genutzt, ihren alten Charakter haben sie aber bewahrt. Wir kommen zu Fuß nach Alt-Heiligensee vom Norden her wie auf einer Zeitreise, die uns mit jedem Schritt in frühere Epochen zurückbringt.

Im 14.Jahrhundert gab es das Dorf Heiligensee schon und die Havelfähre war ein ertragreiches Unternehmen. Hier setzten ab 1383 die Pilger auf dem Weg nach Wilsnack über, weil dort drei mit Blut befleckten Hostien magische Kräfte zugeschrieben wurden, die gefunden worden waren nach der Brandschatzung der Kirche durch Heinrich von Bülow (einen Vorfahren von Loriot?). Ein protestantischer Pfarrer setzte 1552 nach der Reformation dem Treiben ein Ende und verbrannte die "Wunderbluthostien",

Der Förderverein der auf halbem Weg zwischen Berlin und Hamburg gelegenen Bad Wisnacker "Wunderblutkirche" schreibt über den monumentalen, heute noch erhaltenen Kirchenbau: Er ist „untrennbar mit der mittelalterlichen Wunderblutlegende aus dem Jahr 1383 und der sich über 170 Jahre anschließenden Wallfahrtsbewegung verknüpft. Die Wilsnacker Kirche war Zielpunkt einer der größten Wallfahrtsbewegungen des Spätmittelalters und Treffpunkt von Wallfahrern aus dem gesamten nordeuropäischen Raum - angefangen von den Britischen Inseln, Flandern, über Skandinavien und das Baltikum, bis nach Polen, Tschechien und Ungarn. Als "Santiago" Nordeuropas war die Wilsnacker Kirche bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts eines der berühmtesten Wallfahrtsziele des Mittelalters.“ Danach „fiel die Stadt in die Bedeutungslosigkeit eines Ackerbürgerstädtchens zurück“, wie sie selbst auf ihrer Internetseite schreibt, um heute als Eisenmoorbad Rheuma, Gicht, Frauenleiden und Ischias heilen zu helfen.

Heiligensee blieb immer agrarisch geprägt, auch als die Berliner Ausflügler die Vororte entdeckten und Heiligenseer Bauernhöfe zu Ausflugsgaststätten umgebaut und einzelne Villen und Landhäuser errichtet wurden. Ab 1893 gab es einen Bahnhof Heiligensee an der Kremmener Eisenbahn, Pferdeomnibusse fuhren von Heiligensee zum Bahnhof, der alte doppelgeschossige Pferdestall ist heute ein Wohnhaus. Ab 1913 verband eine Straßenbahn Heiligensee mit Tegel, das damals gebaute Straßenbahndepot am Dorfanger beheimatet heute eine Künstlerwerkstatt.

Von 1911 bis 1919 gab es im nördlich an Heiligensee angrenzenden Schulzendorf einen kleinen Flughafen (350 Meter mal 450 Meter groß), der kurze Zeit sogar in den Wettflug "Rund um Berlin" einbezogen wurde. Das Wärterhäuschen des ehemaligen Flughafens ist heute Bau- und Gartendenkmal zugleich: hier wohnte und arbeitete die DADAistin Hannah Höch, ihr Garten ist eine Natur-Collage, die weiter gepflegt wird und besichtigt werden kann.

In Heiligensee an der Hennigsdorfer Straße (und nur hier) wird "Underberg" abgefüllt, der Magenbitter, der nach Völlerei den Magen mit 43 erlesenen Kräutern beruhigen soll. Unser Magen blieb hungrig, als wir Alt Heiligensee verließen. In dem alteingesessenen Gasthaus Dannenberg scheint man den eigenen Kochkünsten nicht zu vertrauen, laut Speisekarte werden alle Speisen mit "Geschmacksverstärker" zubereitet. Dafür fanden wir am östlichen Ortsrand von Heiligensee mit dem "Marconi" einen Italiener, der schnell was Feines auf den Teller brachte.

Ein späterer Besuch bringt uns an die Südspitze von Heiligensee nach Konradshöhe und Tegelort.

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Russisch-orthodoxer Friedhof in Tegel bei Berlin
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