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Vier Siedlungen in der Heide


Stadtteil: Neukölln
Bereich: Köllnische Heide
Stadtplanaufruf: Berlin, Venusplatz
Datum: 18. März 2014
Bericht Nr: 456

Die Köllnische Heide, das war ein ausgedehntes Wald- und Wiesengebiet zwischen Berlin/Cölln und Köpenick. Die Wuhlheide ist ein letzter verbliebener Teil dieses ursprünglichen Stadtwaldes, große Teile der Heide wurden durch die sich ausdehnende Großstadt bebaut. Und warum Köllnisch? Manches, was südlich der Berliner Doppelstadt Berlin/Cölln lag, bekam das Attribut "Cöllnisch" (später "Köllnisch"), beispielsweise der Bezirk Neukölln und die Köllnische Vorstadt in Köpenick, zu der Spindlersfeld gehört (1).

Den Namen Köllnische Heide findet man heute noch an einem S-Bahnhof an der Sonnenallee. Dieser Bahnhof liegt nicht an der Ringbahn und auch nicht an der Görlitzer Bahn, die nach Süden Richtung Schönefeld führt, sondern an einer Kurve zwischen beiden Strecken. Solche Verbindungen zwischen Ringbahn und den kreuzenden Trassen sind selten. Bekannt ist die "Ulbricht-Kurve", mit der die DDR beim Mauerbau eine S-Bahn-Verbindung von der Ringbahn nach Pankow schuf, bei der man nicht am West-Berliner Bahnhof Gesundbrunnen umsteigen musste, sondern innerhalb des Ost-Berliner Bahnnetzes blieb. Hierzu nahm die S-Bahn eine Kurve vom Bahnhof Schönhauser Allee zur Station Bornholmer Straße (2), man blieb unter sich im Arbeiter- und Bauernstaat.

Nicht mehr vorhanden ist die Cheruskerkurve südlich der Kolonnenstraße (S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke). Heute kann man auf dem Ring linksrum oder rechtsrum ohne Unterbrechung im Kreis fahren und kommt in einer Stunde einmal herum. Bis 1945 war das nicht so, da hatte die Ringbahn - man glaubt es kaum - einen Kopfbahnhof am Potsdamer Platz, genannt "Potsdamer Ringbahnhof". Die Bahn verließ den Ring im Süden und fuhr nördlich über den Bahnhof Kolonnenstraße bis zum Potsdamer Platz, wendete dort und fädelte sich in die andere Ringhälfte ein. Der Cheruskerpark zeichnet deutlich den Verlauf der alten Bahntrasse nach, auch hier bewahrt nur der Stadtgrundriss die Historie, die bis auf Reste eines Widerlagers an der Torgauer Straße und einer Stützwand im Cheruskerpark sonst nicht mehr sichtbar ist. Vom Bahnhof Kolonnenstraße der Ringbahn zum Bahnhof Großgörschenstraße der Wannseebahn konnten Fußgänger den "Hammelgang" benutzen, einen 300 Meter langen Verbindungsweg (2a).

Dass an einer Verbindungskurve ein weiterer Bahnhof "Köllnische Heide" aufgemacht wurde, ist wohl einmalig bei der S-Bahn. Diese Station an der Verbindungsbahn von Neukölln nach Baumschulenweg hat unter den Folgen beider Weltkriege gelitten. Das Bahnhofsgebäude, in den 1910er Jahren noch im historisierenden Stil erbaut, wurde erst 1920 nach dem Ersten Weltkrieg eröffnet und die Strecke 1928 elektrifiziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Berlins entstand ein Sackbahnhof, die letzte West-Berliner Station, denn hinter dem Heidekampgraben begann Ost-Berlin. Dort wurde die Trasse teilweise für den Mauerstreifen abgebrochen, aber jetzt kann man wieder durchfahren, wenn die S-Bahn nicht gerade ein Stellwerksproblem hat.

Vier unterschiedliche Siedlungen liegen im unmittelbaren Einzugsbereich des Bahnhof Köllnische Heide, nur dass hier eben keine Heide mehr, sondern eine Mischung von suburbanem Leben und Großstadt zu finden ist. Bis auf die Hochhaussiedlung sind alle um 1920 erbaut worden. Am Dammweg baute der Neuköllner Stadtbaurat Reinhold Kiehl, dessen Weg über Danzig, München, Braunschweig, Dresden, Breslau, Hildesheim, Charlottenburg nach Rixdorf geführt hatte, wie Neukölln damals hieß. Das Stadtbad Neukölln (3), das Rathaus Neukölln, der Bahnhof Sonnenallee (4), die Orangerie im Körnerpark (5) sind einige seiner bekannten Bauten. Er war Hochschullehrer, Preisrichter, Gutachter und unterhielt Kontakte zu jungen Architekten wie Bruno und Max Taut und Ludwig Mies van der Rohe. Das Kiehlufer am Neuköllner Schiffahrtskanal ist nach ihm benannt.

Östlich der Sonnenallee verläuft der Dammweg über den Heidekampgraben hinweg bis zum Spreepark. Ein durch Rund- und Kanthölzer befestigter Weg - ein Knüppeldamm - wurde hier schon im 18.Jahrhundert angelegt, um Holz aus sumpfigem Gelände der Köllnischen Heide auf Spreekähne verladen zu können. Für die Siedlung am Dammweg aus den 1920er Jahren wurden Sternenbilder gewählt, um die Straßen zu benennen: Krebsgang, Einhorn, Steinbock und Widder. Die niedrigen Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser als Putzbauten mit Backsteinelementen, Erkern, Fensterläden, Mietergärten hat Reinhold Kiehl mit einem Anklang an Gartenstädte erbaut.

Gegenüber am Dammweg liegt die Weiße Siedlung, die nur die Farbe weiß mit der Weißen Stadt in Reinickendorf (6) gemeinsam hat. Am Neuköllner Dammweg sind um 1970 im sozialen Wohnungsbau zwei Bänder von Hochhäusern mit bis zu 18 Etagen gebaut worden. Bei den 1- bis 7-Zimmer-Wohnungen gibt es kaum Leerstand, aber einen Ausländeranteil von fast 34%, der wesentlich über dem Berliner und sogar Neuköllner Durchschnitt liegt. Mehr als die Hälfte der Bewohner bezieht staatliche Unterstützung, in einigen Schulklassen im Umfeld sind mehr als 90% der Kinder nichtdeutscher Herkunft. Ein Quartiersmanagement versucht, die sozialen Spannungen in der Siedlung aufzufangen.

Im Quartier Drosselbart-, Rübezahl- und Wegastraße am Heidekampgraben (7) haben mehrere Architekten für den Beamten-Wohnungsverein Neukölln eine Wohnsiedlung errichtet, das ist die dritte Siedlung bei unserem Rundgang. Folgt man der Planetenstraße über die Sonnenallee hinweg, dann findet man vor der Sonnenallee den Von-der-Schulenburg-Park (8) und jenseits den Venusplatz. Am Venusplatz beginnt unsere vierte Siedlung, sie ist von Josef Zizler gebaut worden. Er war nur kurze Zeit als Stadtbaurat in Neukölln tätig und wechselte dann nach Mannheim.

Schon im Von-der-Schulenburg-Park wird mit dem Märchenbrunnen und mehreren Holzfiguren eine Fülle von Skulpturen geboten, auf der anderen Seite der Sonnenallee folgen steinerne Tierfiguren mit spielenden Kindern vor dem Eckhaus an der Sonnenallee. Weiteren üppigen Fassadenschmuck zeigt das Haus am Venusplatz. Hier reitet ein Kind auf einem Schwein. Beide wirken glücklich, obwohl das Kind sich an Schweineohr und Schweineschwanz festhält. Nebenan lehnt sich eine Flora mit überquellenden Beigaben an die Wand über dem Portal.

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(1) Spindlersfeld: Ein Stadtteil für die Wäsche
(2) Ulbricht-Kurve: Damenklo mit Guckloch
(2a) Die Stadtbahn hatte einen Kopfbahnhof, der an der Ringbahn lag: Des Königs Garderegiment
(3) Stadtbad Neukölln: Gebaute Hygiene
(4) Bilder zum Bahnhof Sonnenallee: Doppel-Dorf überwindet zweifelhaften Ruf
(5) Körnerpark: Körnerpark
(6) Weiße Stadt in Reinickendorf: Ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft
(7) Heidekampgraben: erlesener Geschmack, bezaubernde Liebenswürdigkeit
(8) Von-der-Schulenburg-Park Schulenburg-Park



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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Unsere Route
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Wasserturm und König-Friedrich-Wilhelm-Denkmal
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