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Paläste über und unter der Erde


Stadtteil: Neukölln
Stadtplanaufruf: Berlin, Hermannplatz
Datum: 21. Februar 2007

Bei den Stadtrundgängen zeigt sich immer wieder, dass Berlin früher eine pulsierende Großstadt in einer ganz anderen Dimension war, die sie nach dem 2.Weltkrieg nicht wieder erreicht hat und wahrscheinlich auch kaum wieder erreichen wird. Die Weltstadtsinfonie wurde damals mit einem großen Orchester gespielt, im Vergleich dazu heute wirkt sie heute wie ein Kammerkonzert.

82.000 Reisende kamen 1928 täglich an den Fernbahnhöfen an oder fuhren dort ab, 1 Million Reisende täglich wurden auf den Stadtbahnen, Ringbahnen und Regionalzügen gezählt. Im Jahr 2005 waren es 21.000 Fernreisende und 120.000 Fahrgäste im Regionalverkehr (1). Die Hallen und Tempel des Verkehrs wurden für andere Dimensionen gebaut, das kann man mancherorts spüren.

Der Einkaufspalast Karstadt am Hermannplatz und der Verkehrstempel U-Bahnhof Hermannoplatz wurden als städtebaulicher Komplex ab 1923 realisiert. Stolz präsentiert sich das Kaufhaus am Hermannplatz auf einer alten Darstellung als Mittelpunkt des Berliner Verkehrs, mit eigenem Bahnanschluss im Untergrund, umgeben von Kopfbahnhöfen der Fernbahn und dem Flughafen Tempelhof. Im Zentrum der Inszenierung das Kaufhaus selbst, das größte der Weimarer Republik, ein siebengeschossiger Bau mit himmelsstrebender Fassade wie ein amerikanisches Hochhaus, mit zwei mächtigen Türmen, auf denen zwei 15 m hohe Lichtsäulen strahlten (2).

Der Kreuzungsbahnhof der U-Bahn ist (wie könnte es anders sein) ein Werk von Alfred Grenander (3). Der untere Bahnhof liegt in einer siebeneinhalb Meter hohen, 140 m langen Halle mit eindruckvollen gefliesten Säulen, gekrönt von mehrstufigen Kapitelen. Später wurde der knapp 3 m hohe zweite Bahnsteig wie ein Balken quer in die Halle geschoben. Die Wandfliesen sind wie bei Grenander üblich als Farbsymbole zu verstehen, so dass man schon bei der Einfahrt in den Bahnhof weiß: gelb-grau, ich bin am Hermannplatz. Auf dem oberen Bahnsteig ist gelb die beherrschende Farbe, auf dem unteren grau.

Der Bahnhof ist fast unversehrt erhalten geblieben, der Einkaufstempel darüber wurde 1945 von der SS gesprengt. Der Nachfolgebau hat nichts von der Ausstrahlung seines Vorgängers, und auch dem Bezirk drumherum ist der Glanz abhanden gekommen. Den kann auch das goldene "Tanzende Paar" von Joachim Schmettau (1986) vor dem Kaufhaus nicht ersetzen. Schmettau, der auch den Brunnen vor dem Europacenter ("Wasserklops") geschaffen hat, stellt hier die Figuren auf einen zweigeteilten Sockel: ein Betonwürfel als Basis, darauf ein Kreiszylinder aus Granit. Früher sollen sie sich stündlich zweimal um die eigene Achse gedreht haben, die Tanzhaltung könnte auf einen Charleston aus den zwanziger Jahren deuten.

Die Kieze in Neukölln stehen scharf abgegrenzt nebeneinander. Der Kottbusser Damm ist fest in türkischer Hand, die Auslagen der Läden zeigen es. Direkt dahinter die Graefestraße liegt in einem bürgerlichen Kiez, in dem beispielsweise ein Zahnarzt in seinen Wartebereich in einem ehemaligen Laden überdimensionale Sumo-Ringer hinter einer Zahn-Lichtskulptur abbildet.

Die netten Kneipen hier fesseln unsere Aufmerksamkeit so, dass wir uns spontan ins Avril setzen und dort bei mediterraner Küche (z.B. Flussgeflüster- Nudeln mit Flusskrebsen) gern gut bedienen lassen.

(Textversion vom 2.5.2014)

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(1) Antwort auf eine große Anfrage in der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf vom 16.6.2005, DS-Nr: 1505/2
(2) Mehr über Leuchtreklame: Leuchtreklame
(3) Mehr über Alfred Grenander: Grenander, Alfred


Schaufensterbummel in Neukölln