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An der Laterne aufgehängt


Stadtteil: Mitte
Bereich: Mauerpark
Stadtplanaufruf: Berlin, Schwedter Str.
Datum: 22. August 2006

"Mauerpark- das ist jener Streifen, wo früher die Mauer stand, die Berlin in zwei Städte teilte. Als sie abgerissen war, entstand zwischen Wedding und dem Prenzlauer Berg ein schöner Park und fast noch mittendrin findet Ihr den Kinderbauernhof." So erklärt man Kindern nebenbei den Mauerpark, wenn man ihnen etwas über den Kinderbauernhof erzählt.

Wir sind wieder auf historischem Bahngelände unterwegs. Der heutige Mauerpark an der Schwedter Straße liegt auf dem aufgeschütteten Gelände des ehemaligen Eberswalder Güterbahnhofs. Eigentlich sollte hier ein Kopfbahnhof für den Personenverkehr gebaut werden, doch der entstand dann an der Invalidenstraße (Stettiner Bahnhof), statt dessen wurden Güterzüge hier abgefertigt. Für wenige Jahre wurde später auch hier am Güterbahnhof ein zusätzlicher Bahnsteig für den Personenverkehr benutzt, aber mit dem Bau des Stettiner Vorortbahnhofs wieder aufgegeben. (Diesen Vortortbahnhof in der Nähe der Invalidenstraße hatten wir ja in der letzten Woche entdeckt, wie er verlassen und beziehungslos eingezäunt herumsteht).

Der Eberswalder Güterbahnhof wurde bis in die siebziger Jahre genutzt, er existiert heute nur noch als Aufschüttung, die dem Mauerpark als Grundlage dient. Hier sind Alpinisten an einer Kletterwand zugange, ein Birkenwäldchen führt ins Nichts, weil es durch die nicht begehbare ehemalige Bahnbrücke über die Gleimstraße begrenzt wird. Die Bahnbrücke selbst wird auf Straßenniveau durch kunstvoll verzierte Hartungsche Säulen gestützt.

Die Schwedter Straße, die den Mauerpark an der Ostseite flankiert, war zu DDR-Zeiten eine heikle Grenze an der Ost-West aufeinander traf. So berichtet www.17juni53.de, dass während des Volksaufstandes ein Bild des DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck an einem Laternenpfahl aufgehängt wurde (das war symbolisch wohl anders zu verstehen als die heutigen Wahlplakate).

Und im Zusammenhang mit dem Mauerbau wird berichtet, dass West-Berliner Polizisten an der Schwedter Straße versuchen, "die Arbeiter, welche die Grenzmauer ziehen, vom Bau abzuhalten, indem sie behaupten, sie würden auf Westberliner Gebiet bauen. Den Arbeitern wurde gesagt, wenn sie die Arbeiten nicht einstellen, werden sie die Mauer wieder einreißen" (23.8.1961, www.chronik-der-mauer.de). Die Mauer blieb aber stehen und wurde 1988 um 500 m nach Westen verlagert. Schon seit 1963 durfte die Straße nicht mehr von Fußgängern betreten werden, so dass die Bewohner der Häuser sich neue (Hinter-)Ausgänge suchen mussten.

Als 1871 die Ringbahn gebaut wurde, musste die Schwedter Straße mit einer Brücke über die Gleise geführt werden. "Die Gegend um den Güterbahnhof hatte einen äußerst zwielichtigen Ruf. In jener Zeit fanden dort regelmäßig Razzien statt, in deren Ergebnis Obdachlose und Kleinkriminelle dem Kadi vorgeführt wurden. Auch Selbstmörder, so verlautbaren zeitgenössische Schriften, fühlten sich von dem abgelegenen Ambiente angezogen." Dass die Ringbahnbrücke diese traurige Anziehungskraft hatte, kann man nur vermuten.

Über die Bernauer Straße kehren wir zurück in meinen Kiez. Die alte Asphaltstraße hinter der Mauer, auf der Grenzstreifen patrouillierten, ist heute teilweise vor den Häusern noch erhalten.

In der Ackerstraße um die Ecke der Invalidenstraße essen wir bei Papa italienisch bei Italienern. Hier waren wir schon einmal und werden auch wiederkommen.

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Eigentlich
Honigmond am Nordbahnhof