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Sucht sich einen Platz unter dem Apfelbaum


Stadtteil: Mitte
Bereich: Hausvogteiplatz, Werderscher Markt, Schloßplatz, Spittelmarkt
Stadtplanaufruf: Berlin, Hausvogteiplatz
Datum: 13.Oktober 2008

Der Maler Max Liebermann pflegte auf die Frage, wo er denn wohne, zu antworten: "Wenn Sie nach Berlin 'reinkommen, gleich links", dort stand am Pariser Platz 7 neben dem Brandenburger Tor das Palais Liebermann. Der Berliner Senat hat eine neue gepflegte Wohngegend geschaffen, deren Bewohner "neben dem Auswärtigen Amt" residieren. Hier sollen Stadtbürger sich ihr individuelles Haus mit Garten bauen können, und das mitten im historischen Stadtkern.

Mit den "Townhouses", den Reihenhäusern mit vier bis fünf Geschossen und einer, maximal zwei Wohnungen auf schmalen Grundstücken, hat man die Grundidee der Amsterdamer Grachtenhäuser, aber auch vergleichbarer Bauten in Hamburg, Bremen, Großbritannien oder New York aufgegriffen. Teure innerstädtischen Grundstücke werden in schmale Parzellen aufgeteilt, die 4,50, 6,50 oder 7,50 m breit sind und bei einer Tiefe von 25 Metern noch Platz bieten für einen Innenhof (Patio), einen Garten, ein Gartenhaus als Atelier, eine Terrasse. Die Stadtentwicklungsbehörde preist die "unkonventionellen Raumerfahrungen", und schwärmt bei der Beschreibung der Wohnqualität wie ein Makler: "Für ein Fest wird die Beletage um die Flächen des Dachgartens über dem Swimmingpool und des hinteren Ateliers vergrößert. Und wer von den Gästen dann noch im Garten sitzen möchte, steigt im Atelier die Treppe hinab und sucht sich einen Platz unter dem Apfelbaum." Schön, wenn Beamte soviel Begeisterung entwickeln können!

Die Eigentümer sind frei in der Gestaltung ihrer Häuser, mehrere Architekten haben Haustypen entwickelt, die auf der Homepage der Stadtentwicklungsbehörde angesehen werden können. Bei einigen Haustypen verbinden raumhohe Fenster die Innenräume optisch mit dem Außenbereich. Funktionen wie Wohnen und Arbeiten oder Wohnen und Repräsentieren können unter einem Dach realisiert werden. Ein Entwurf nennt sich "Gestapelte Häuser": Das Gebäude enthält zwei übereinander liegenden Maisonettewohnungen mit jeweils eigener Treppe, aber einem gemeinsamen Aufzug, die untere hat Terrasse und Garten, die obere Dachterrasse und Balkon. Nur bei dem "schlanken Haus" muss man sich die Beschreibung "zueinander versetzter Ebenen" und "sich ineinander verschränkender Räume" in Klartext übersetzen, um zu wissen, ob man so wohnen möchte: von Zimmer zu Zimmer treppauf treppab. "Von der Diele aus blickt man in den tiefer gelegenen Wintergarten und gelangt in die Küche und in das zwei Geschosse hohe Esszimmer. Die Treppe führt in den Wohnraum, von dessen Galerie man auf den Essplatz zurückschaut...".

Um die Townhouses herum sollen zwei Parks mit "hoher Aufenthaltsqualität" für die Bewohner, Besucher und Beschäftigten der angrenzenden Büros (z.B. des Außenministeriums) entstehen. Gärten, Stadtpark und Stadtplatz sollen so miteinander verschmelzen, man rechnet mit "hohem Nutzungsdruck".

Friedrichswerder ist historisches Gelände aus der Zeit der Doppelstadt Cölln und Berlin. Es bestand ursprünglich aus zwei Inseln, gehörte seit 1442 zu Cölln und erhielt 1662 das Stadtrecht. Ein Wohngebiet für Hofbeamte wurde hier geschaffen, die Reichsbank hatte hier ihren Sitz, zunächst ab1765 als "Königliche Giro- und Lehnbank" von Friedrich dem Großen. Im Altbau des Auswärtigen Amtes saß früher ein Teil der Reichsbank. Die Reste der übrigen Reichsbankgebäude. die bis 1958 hier standen, wurden vor der Neubebauung des Friedrichswerders von den Archäologen freigelegt und gesichert. Mit der heutigen Bebauung will man "den historischen Stadtgrundriss aufnehmen und wieder erlebbar machen". Am Werderschen Markt steht Schinkels Friedrichswerdersche Kirche, seine benachbarte Bauakademie soll wieder aufgebaut werden.

Bei unserem abendlichen Rundgang kommen wir vom Hausvogteiplatz zu den Townhouses und zum Werderschen Markt. Auf mich wirken die Fassaden der meisten Townhouses nicht gerade, als hätten sie den gestalterischen Ehrgeiz der Architekten herausgefordert. Sie scheinen zu sagen, was soll man aus vielen Fenstern und etwas Stein drumherum anderes machen als Fenster, die von Stein umgeben sind?

Die letzten Betonrümpfe des ehemaligen Palastes der Republik ragen skurril in den Abendhimmel, umgeben von Berliner Dom, Fernsehturm und White Cube, der temporären Kunsthalle. Es ist der Vorabend des diesjährigen "Festivals of Lights", blaue Lichtstrahlen tasten den Himmel ab. Am Alexanderplatz ist die größte Licht-Uhr der Welt zu sehen. Ihr Ziffernblatt wird auf die Erde projiziert, die Stundenziffern 3, 6, 9 und 12 stehen als Figuren drum herum.

Unser Rundgang endet am Spittelmarkt, wo wir mit dem "Tapas y mas" in der Neuen Grünstraße einen Spanier finden, der den Abend kulinarisch angenehm abschließt.

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Vor und hinter der Synagoge