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Einstein im Untergrund


> Denkmaltag, U-Bahntunnel der U 10


Stadtteil: Mitte, Kreuzberg
Bereich: Anhalter Bahnhof, Willi-Brandt-Haus
Stadtplanaufruf: Berlin, Stresemannstraße
Datum: 11. Januar 2010

"Dank der hochmodernen Züge, die nunmehr die Fahrzeuge aus den dreißiger Jahren komplett abgelöst haben, konnte die Fahrzeit verkürzt werden. Hinsichtlich Komfort, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit schlägt das Unternehmen die Konkurrenz auf der Straße um Längen." So stolz beschrieb die S-Bahn 2002 ihre Leistungen. Die aktuelle Situation ist bekanntermaßen katastrophal, fast die halbe Wagenflotte ist wegen verschleppter Wartungsarbeiten ausgefallen, die Fahrgäste müssen permanent Verspätungen und Zugausfälle hinnehmen oder auf andere Verkehrsmittel ausweichen, soweit dies möglich ist.

Dabei beförderte die S-Bahn im Jahr 2005 exakt genauso viele Fahrgäste wie 1929 (359 Millionen im Jahr, also 1 Million pro Tag). In den 1920er Jahren hatte Berlin eine Spitzenstellung im europäischen Bahnverkehr. Die Fernbahnhöfe waren Kopfbahnhöfe mit internationalem Anschluss: vom Stettiner Bahnhof nach Oslo, Stockholm und Kopenhagen, vom Lehrter Bahnhof nach Hamburg (für Überseereisende), vom Anhalter und Görlitzer Bahnhof nach Wien, Budapest, Bukarest, Nizza, Rom, Neapel, Athen, Istanbul, vom Schlesischen Bahnhof nach Warschau und Moskau. Mehr als 80.000 Reisende täglich benutzten die Fernbahnhöfe.

Die Kopfbahnhöfe sind bis auf wenige Reste abgetragen, die Bahnlinien wurden in das lokale Bahnnetz integriert. Vom Anhalter Bahnhof, dem repräsentativen Bahnhofsgebäude des Architekten Franz Schwechten, ist nur ein Teil des vorgesetzten Portals stehen geblieben. Was der Krieg nicht zerstört hatte, wurde in den 1960er Jahren gesprengt. An den Abrissarbeiten, die angeblich wegen Einsturzgefahr notwendig wurden, gingen mehrere Baufirmen pleite - der Mauerwerksverband war hart und stabil

Dies war einmal der "Staatsbahnhof", hier begrüßte man die internationalen Besucher und geleitete sie zum Regierungsviertel rund um die Wilhelmstraße. Es gab kaiserliche Empfangsräume und ein Fürstenportal, durch das u.a. Zar Nikolaus II. und der italienische König Umberto schritten. Die Figuren "Berolina" und "Anhaltina" sowie "Nacht" und "Tag" schmückten den Backsteinbau, dessen Glasdach durch eine Fachwerk-Eisenkonstruktion getragen wurde. Die Halle war 170 Meter lang und 60 Meter breit. Noble Hotels standen im Bahnhofsumfeld, z.B. der "Preußische Hof" und der "Askanische Hof". Das "Excelsior" mit zuletzt 600 Zimmern war sogar durch einen eigenen "Excelsior-Tunnel" direkt mit dem Bahnhofsgebäude verbunden.

Wir sind am Potsdamer Platz aus der U-Bahn gestiegen und wollen bis zum Blücherplatz laufen. Das Abfertigungshäuschen der U2 Potsdamer Platz zeigt eine Ausstellung über das Kronos-Projekt. Beim Lesen der Texte begreift man irgendwann, dass es sich um eine imaginäre, nicht reale Welt handelt, aus der hier berichtet wird. In einem nicht benutzten U- Bahntunnel (1) soll 1926 ein "Entschleunigungsprojekt" nach den physikalischen Gesetzen von Einsteins Relativitätstheorie gestartet worden sein (die technischen Zusammenhänge werden eingehend beschrieben, nur ein Physiker wird sie als Nonsens entlarven können). Die Testpersonen - Alkoholiker waren am besten geeignet - sind seitdem in einem extrem langsam bewegten umgebauten U-Bahnwagen 320 Meter vorwärts gefahren und in den 84 Jahren nur 7 Tage älter geworden. Um den Wagen an die Oberfläche zu zwingen, müsse man nur für vier bis sechs Wochen den U-Bahn-Strom abschalten. Nur zu, wir haben Zugausfälle ja bereits bei der S-Bahn trainiert (siehe oben).

Auf unserer Route liegt das Willi-Brandt-Haus der SPD an der Ecke Wilhelmstraße und Stresemannstraße mit Blick auf das Hallesche Ufer und den Landwehrkanal. Medienwirksame SPD-Auftritte finden regelmäßig unter der Statue Willi Brandts im Innenhof statt, der seine Rechte mahnend, vielleicht auch etwas abwehrend erhebt. Das Gebäude nimmt in seiner Gestalt Bezug auf das Haus der Metallarbeitergewerkschaft eine Ecke weiter östlich am Kanal. (2). Der dazwischen liegende Mehringplatz wurde 1730 bei der Stadterweiterung angelegt. Von ihm gingen strahlenförmig die Wilhelmstraße (zum Pariser und Leipziger Platz), die Friedrichstraße nach Norden und die Lindenstraße ab (3). Vorbild für den Mehringplatz, der damals "Belle-Alliance-Platz" hieß, war die römische Piazza del Popolo, also der antike Platz, über den der Besucher Rom von Norden her betrat. Im 2.Weltkrieg zerbombt, umkämpft und total zerstört, wurde der Platz mit Wohnbauten im Sozialen Wohnungsbau umrandet. Der entstandene soziale Brennpunkt soll durch ein Quartiersmanagement befriedet werden. Ein Häuserblock zur Wilhelmstraße bietet einen frischen Anblick durch Bemalung der Betonflächen. Einzig die Friedenssäule von 1843 steht wieder auf dem Platz, allerdings hatte bei unserem Besuch Victoria die Säule verlassen, vielleicht war es ihr zu kalt geworden.

Die Hallesche Tor-Brücke, auf der wir den Kanal überqueren, zeigt zwei alte Marmorfiguren "Schiffahrt" (damals noch mit zwei "f" geschrieben) und "Fischerei" (damals und heute mit einem "f" geschrieben). Am Blücherplatz steht die öffentliche Zentralbibliothek West-Berlins, ein Bau der Nachkriegsmoderne von 1954, unterstützt durch Spenden der USA, deshalb "Amerika-Gedenkbibliothek".

Eine Möglichkeit, dem Erfrieren zu entgehen, nutzen wir am Blücherplatz und essen in einem Lokal der Kategorie "Deutsche und Internationale Küche", jedenfalls wurden vor dem Balkankrieg jugoslawische Lokale so genannt. Gestärkt finden wir den Weg zum nahen U- Bahnhof Mehringstraße.
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(1) Der unbenutzte U-Bahntunnel: Denkmaltag, U-Bahntunnel der U 10
(2) Bilder und Berichte zum Haus des Metallarbeiterverbandes finden Sie hier:
Ein unten gelegenes mit einem oberen verbinden
(3) Mehr über die Wilhelmstraße; Aufstieg und Fall (in) der Wilhelmstraße



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Denkmaltag, U-Bahntunnel der U 10


Innsbrucker Platz, 12.9.2010
Der nicht benutzte U-Bahntunnel, in dessen Verlauf das "Entschleunigungsprojekt" Kronos angeblich läuft, war jetzt im Rahmen des Denkmaltages zugänglich.

Der Zugang liegt unter dem U-Bahnhof Innsbrucker Platz. Die unbenutzten Bahnhofshallen haben Ausmaße, als sollten hier Dampflokomotiven fahren, dabei handelte es sich um ein West-Berliner U-Bahn-Projekt.

Die abgebildete Zahnradbahn führt nicht in den Untergrund, sondern vom S-Bahnhof Innsbrucker Platz zum Straßenniveau herunter, so eine Art Fahrstuhl der Berge.

U-Bahntunnel U10


Gendarmenmarkt und Siegessäule
Kein Spital an keinem Platz