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Spree und Havel treffen sich in Friedrichsfelde


Stadtteil: Lichtenberg
Bereich: Friedrichsfelde
Stadtplanaufruf: Berlin, Alfred-Kowalke-Straße
Datum: 22. Oktober 2018
Bericht Nr.: 634

Friedrichsfelde war früher ein beschauliches Dorf mit Bauernhöfen, einem Dorfanger und einer Dorfkirche. Die alte Frankfurter Chaussee führt durch das Dorf als Bundesstraße nach Frankfurt/Oder. Eine schier endlose Fahrzeugkolonne schiebt sich auf der heute Alt-Friedrichsfelde genannten Straße vorwärts. Mit dem Namen "Alt-" wurden in Berlin überwiegend ehemalige "Dorfstraßen" benannt, doch es gibt auch Ausnahmen. Hier führt um den Dorfanger die Alfred-Kowalke-Straße. Zu DDR-Zeiten hieß die Bundesstraße "Straße der Befreiung", aber davon ist sie nach der Wende wieder befreit worden.

Friedrichsfelde
In amtlichen Dokumenten wurde Friedrichsfelde als "Rosenfelde" 1288 erstmals erwähnt. Mangels anderer Datierungsmöglichkeiten wird eine solche Quelle hilfsweise als Gründungsdatum herangezogen. Ende des 17. Jahrhunderts war der Hugenotte Benjamin Raule Eigentümer des Dorfes. Er beauftragte den Baumeister Johann Arnold Nering mit dem Bau eines Lustschlosses im holländischen Stil, den Vorgänger des heutigen Schlosses. Raule war Generalmarinedirektor, er hatte für den Großen Kurfürsten die preußische Marine aufgebaut. Dessen Nachfolger - der spätere König Friedrich I. in Preußen - verdächtigte Raule der Unterschlagung, ließ ihn verhaften und nahm gleich noch den ganzen Ort in Haftung, indem er Rosenfelde in Friedrichsfelde umbenennen ließ. Raule wurde später rehabilitiert, Friedrichsfelde blieb Friedrichsfelde.

Rittergut und Schlosspark/Tierpark
Carl von Treskow erwarb 1816 das Rittergut mit dem inzwischen erweiterten und frühklassizistisch umgestalteten Schloss. Peter Joseph Lenné legte den Schlosspark an, Treskow schuf einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Zu jener Zeit wurde "jedem anständig Gekleideten der Eintritt in den Schlosspark gestattet unter der Bedingung, nichts abzupflücken und keine Hunde mitzubringen".

Als die DDR-Führung 1954 bemerkte, dass der Zoo in West-Berlin liegt und sie auch einen Zoo haben wollte, ließ sie den Schlosspark zu einem beachtlichen Tierpark umgestalten. Nach der Wiedervereinigung gab es eine versöhnliche Entwicklung, Zoo und Tierpark sind unter gemeinsamer Leitung. Und seitdem der vorletzte Direktor weg ist, der schon mal ein "überflüssiges" Tier eigenhändig erwürgte, wird der Tierpark von seinem kompetenten Nachfolger neu orientiert und umgestaltet.

Heinrich Dathe, Heinrich-Dathe-Platz
Während der gesamten DDR-Zeit war Heinrich Dathe der erste und einzige Tierparkdirektor, 34 Jahre lang. Nach der Wende wurde der 80jährige pensioniert, weil nach dem Einigungsvertrag über 60jährige nicht übernommen werden durften. Der Heinrich-Dathe-Platz und die Dathe-Promenade am U-Bahnhof Tierpark wurden zu Ehren des Tierparkdirektors gestaltet.

Der Streetart-Künstler "1010" - gesprochen eins null eins null - hat ein großformatiges abstraktes Wandbild am Platz geschaffen, das wesentlich dynamischer ist als der Arbeitstitel "Tropfen und Ringe". Die Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE finanziert mit ihrer Initiative Lichtenberg Open ART mehrere Murals (Wandbilder) im Bezirk Lichtenberg.


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Am Heinrich-Dathe-Platz findet am Märkischen Brunnen ein Wochenmarkt statt. Die 1982 geschaffenen Brunnenfiguren mit wasserspeienden Frauen- und Tierköpfen sind von ihrem ursprünglichen Ort hierher versetzt worden. Dabei wurde das Brunnenensemble auseinander genommen und in mehrere Gruppen aufgeteilt. An der Dathepromenade steht der Spree-und-Havel-Brunnen. Zwei Frauenfiguren - auf einer Säule sitzend und waagerecht schwebend - symbolisieren die beiden Berliner Flüsse. Das Wasser wird unterhalb der Figuren hochgepumpt.

Alfred-Kowalke-Straße
Wenn wir durch Friedrichsfelde nach Süden gehen, liegt der eingezäunte Schlosspark mit dem Tierpark zu unserer Linken. Doch das Rittergut war weitaus größer als der Tierpark. Das Vorwerk Karlshorst, das zu einer Villenkolonie wurde, gehörte dazu, genau wie der dörfliche Bereich um die Alfred-Kowalke-Straße. Dort steht das 1835 erbaute Wohnhaus des Gutsinspektors, und auch das Wohnhaus eines Großbauern von 1880 ist erhalten geblieben. Zunehmend schoben sich städtische Mietshäuser an den Dorfanger heran, zunächst zweigeschossig, bald auch viergeschossig. Um die Ecke in der Rummelsburger Straße versteckt sich eine Turnhalle von 1893 mit einem pittoresken Seitentürmchen hinter dem Schulgebäude. Das Laborgebäude des Instituts für vergleichende Pathologie an der Alfred-Kowalke-Straße ist jüngeren Datums, es ist ein Nachkriegsbau von 1960.

Preußensäule und Kriegerdenkmal
Zwei Kriegerdenkmale stehen im Umfeld der Dorfkirche Friedrichsfelde. Auf dem Dorfanger erinnert die "Preußensäule" an die Kriege von 1866, 1870 und 1871. Im Jahr 1866 waren die Preußen im "Deutschen Krieg" in österreichisches Territorium einmarschiert, die Kriege von 1870 und 1871 gingen gegen den damaligen Erzfeind Frankreich. Ein Denkmal mit einem Adler auf dem Kirchengelände erinnert an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.


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Bahnbetriebswerkstätten
Ausgedehnte Gleisanlagen im nördlichen Teil von Friedrichsfelde dienen der S-Bahn als Betriebswerkstatt. Etwas weiter südlich weiten sich unterhalb des U-Bahnhofs Friedrichsfelde deren Bahngleise wie ein Flussdelta aus, hier hat die BVG eine Betriebswerkstatt. Innerhalb von drei Kilometern Luftlinie beanspruchen so zwei weiträumige Bahnanlagen große Flächen im ehemaligen Dorf. Noch weiter südlich an der Grenze zu Rummelsburg vervielfachen sich die S-Bahngleise und bilden den Betriebsbahnhof Rummelsburg. Diese drei Bahnanlagen sind zu unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Anlässen gebaut worden.

S-Bahn-Betriebswerkstatt Friedrichsfelde
Als die Betriebswerkstatt an der Rosenfelder Straße eingerichtet wurde, bestand die umgebende Bebauung nur aus Kleingartenanlagen und Laubenkolonien. Im Jahr 1877 war hier als Vorgänger ein Rangierbahnhof gebaut worden für den Güterverkehr, der mit der Einrichtung der Ostbahn in den 1880er Jahren ständig zunahm. Mit der preußischen Ostbahn wurden die Ostgebiete und die Städte Danzig, Königsberg, Bromberg, Thorn erschlossen, die Trasse führte bis an die russische Grenze. Um 1900 wurde der Rangierbahnhof zu einer Betriebswerkstatt umgerüstet. Das Ende der Dampflokomotiven im Stadtverkehr nahte, der S-Bahnbetrieb wurde auf elektrischen Strom umgestellt.

Wenn von einer "Zugbildungsstation" und einer "Wagenbehandlungsstelle" die Rede ist, dann mag der Laie sich über neue Bereiche des Bildungswesens oder der Kosmetik wundern. Ein "Pufferküsser" weiß natürlich sofort, dass Züge durch Rangieren zusammengestellt werden und dass sie überprüft und gewartet werden müssen.

Betriebsbahnhof Rummelsburg
Auch auf der Ringbahn mussten die Züge sortiert werden. Auf dem Betriebsbahnhof Rummelsburg wurde im September 1879 der erste Rangierbahnhof im Berliner Raum eröffnet mit einem Anschlussgleis zur Ringbahn. Heute werden an dem Betriebsbahnhof Reisezugwagen abgestellt und gewartet, insbesondere ICE-Züge.

U-Bahn-Betriebswerkstatt Friedrichsfelde
Die U-Bahnlinie 5 endete 1930 in Alt-Friedrichsfelde, erst 1973 wurde sie zum Tierpark verlängert. Südlich des U-Bahnhofs wurde 1930 eine Betriebswerkstatt mit zwei Wagenhallen gebaut. Die Betriebswerkstatt gehörte damals zu den modernsten Anlagen im U-Bahnbetrieb.

Mit dem Mauerbau hatte sich die DDR einige Male hausgemachte Probleme geschaffen. Am Potsdamer Platz beispielsweise musste ein Sockel für Karl Liebknecht leer bleiben, weil das geplante Denkmal im Grenzstreifen gestanden hätte. Auch bei der U-Bahn gab es eine ungewöhnliche Situation: Die Betriebswerkstatt Friedrichsfelde war indirekt für die Flucht von Ostberliner U-Bahnern nach West-Berlin verantwortlich.

Mit der Trennung der U-Bahnnetze stand in Ost-Berlin keine Werkstatt mehr für ihre Kleinprofilzüge zur Verfügung, nur Großprofilzüge konnten zur Wartung nach Friedrichsfelde fahren. Deshalb schuf die Ost-BVB einen Übergang zwischen beiden Profilen in einem ungenutzten "Waisentunnel" nahe dem Ost-Berliner U-Bahnhof Klosterstraße. In einem benachbarten Tunnel fuhren die Züge der West-Berliner U-Bahn als "Geisterzüge" unter Ost-Berlin hindurch. Ein Ost-U-Bahner ging mit seiner Familie vom Waisentunnel in den von der West-BVG genutzten Tunnel und signalisierte einem herannahenden Geisterzug einen Notfall. Der West-BVG-Fahrer hielt den Zug an, ließ die "Republikflüchtigen" einsteigen, die Flucht war geglückt.

BVG-Leitstelle
Am südlichen Ende der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde hat die BVG vor vier Jahren eine neue Leistelle für den gesamten U-Bahnverkehr in Betrieb genommen. Von dem Neubau aus werden alle Züge im Kleinprofil (Linien U1 bis U4) und Großprofil (U5 bis U9) gesteuert und überwacht. Kein Mitarbeiter muss heute mehr mit Stellhebeln, Drehschaltern und Drucktasten hantieren, alles geht digital. In dem 400 Quadratmeter großen Raum der Kommandozentrale sorgen 21 Mitarbeiter dafür, dass die 1,5 Millionen Berliner U-Bahn-Fahrgäste möglichst selten Durchsagen hören wie: "Verehrte Fahrgäste! Der Verkehr auf der Linie 6 ist zur Zeit unregelmäßig" oder auf Anzeigetafeln den erwarteten Zug nach Wedding angekündigt bekommen mit dem Text: "Wedding bitte warten". Was wir als Fahrgäste selten mitbekommen: Wenn eine Verspätung nicht aufgeholt werden kann, wird die Fahrt vor dem Zielbahnhof beendet und der Zug umgedreht, um die Rückfahrt zeitlich korrekt anzutreten. Kleine Tricks hat ja jeder Beruf.

Auf dem Weg durch den Ortsteil
Friedrichsfelde hat viele Plattenbauten, die inzwischen renoviert und modernisiert wurden, die meist wohl auch in umstrittene Wärmeisolierungen verpackt wurden. "Die vielen Plattenbauten des Stadtteils liegen eingebettet in viel Grün und dazwischen offenbart sich ein architektonisches Sammelsurium", kann man im Internet lesen.

Vielleicht ist es aber auch genau umgekehrt, dass die alte Bebauung durch Plattenbauten umstellt und bedrängt wird. So werden beispielsweise in der Köpitzer Straße eine Altbauecke und ein Spielplatz von Hochhäusern umstellt. Auf einem Rondell waren dort drei Plastiken aufgestellt: Der Hecht und der Kater (nach Krylow), Das Pferd und der Esel (nach Gleim) und Der Rabe und der Fuchs (nach Lessing). Nur eine Plastik blieb erhalten, zwei Sockel sind leer.


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Auf einer Teilfläche des Schlossparks hatte Treskow Ein- und Mehrfamilienhäuser für seine Bediensteten errichten lassen. Direkt zur Straße Am Tierpark sind zwei Hausblöcke geöffnet, die die Namen Eichenhof und Lindenhof tragen. Neben dem ehemaligen Küchengebäude des Schlosses öffnet sich ein Eingangstor zur Schlossanlage und zum Tierpark. Der Haupteingang liegt weiter südlich am U-Bahnhof Tierpark.

An der Ontarioseestraße steht der denkmalgeschützte Backsteinbau des Wasserwerkes Friedrichsfelde. Am höchsten Teil des Giebels hängt frech ein Lidl-Logo, auf der anderen Gebäudeseite hat der Supermarkt mit einem gesichtslosen Anbau in Breitseite Fassade und Fenster verdeckt. Nanu, versorgt Lidl jetzt auch die Gemeinde mit Frischwasser? Nein, es ist nur einer dieser geschmacklosen Bauten der Supermarktkette, der sich instinktlos des Denkmals bemächtigt, ohne vom Denkmalschutz zurückgehalten zu werden.

Schräg gegenüber vom Eingang zur U-Bahn Tierpark verabschiedet uns die überdimensionale Bronze-Skulptur eines Bisons. "Der Bison ist zurück", lese sich in einem Blog, "Bisonfleisch wird als die gesunde Alternative zum Rindfleisch gehypt". Aber das ist ein anderes Thema, man geht ja nicht zum Essen in den Tierpark.

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Unsere Route:
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Problematische Auferstehung