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Eine Entdeckung


Stadtbezirk: Lichtenberg
Bereich: Victoriastadt
Stadtplanaufruf: Berlin, Nöldnerstraße
Datum: 1. August 2005

Nach unserem heutigen Stadtrundgang fahren wir ganz beschwingt nach Hause: wir haben ein städtebauliches Kleinod entdeckt. Ein Stadtquartier, das von mehreren S-Bahnlinien eingerahmt liegt, so als hätte ein Optiker ein riesiges Auge geformt, das 3 Straßen in Nordsüdrichtung und 7 Straßen in Ostwestrichtung umfasst. Etwas großspurig heißt es Victoriastadt und liegt zwischen den S-Bahnhöfen Ostkreuz, Rummelsburg und Nöldnerplatz südlich der Frankfurter Allee und nördlich der Rummelsburger Bucht.

Wenn manche Häuser beim Eingang in die Nöldnerstraße etwas schief aussehen, dann ist das nicht dem Fotografen, sondern dem Architekten zuzuschreiben. Die Gegend selbst ist nicht schief, aber bis sie dem Prenzelberg Konkurrenz macht, braucht es schon noch etwas Flair.

Hier war einst Heinrich Zille zu Hause, ehe er nach Charlottenburg umzog. Die alten Wohnhäuser in der Pfarrstraße, Nöldnerstraße, Türrschmidtstraße (enthält 2 r im Namen, kein Schreibfehler) sind wieder hergerichtet. Am Tuchollaplatz steht ein Linienverzweiger , der aussieht wie eine Kreuzung aus Litfaßsäule und Bedürfnisanstalt. Er zeigt in seinen Fenstern eine Fotoserie der Anwohner, jeweils einzeln vor ihrem Hauseingang oder Laden aufgenommen mit hinzugesetzten Berufsbezeichnungen. In einem Linienverzweiger wurden früher die Telefonleitungen der Reichspost gebündelt, bevor sie sich zu den Haushalten verzweigten - eine ausgestorbene technische Spezies im Zeitalter von Glasfaserkabeln und Wireless Lan.

In der Nöldnerstr.16 ragt aus einem Wohnhaus ein 38 Meter hoher viereckiger Backsteinturm nach oben, er ist wirklich in das Haus integriert . Der Turm wird auf der Internetseite des Stadtentwicklungssenators verglichen mit italienischen Geschlechtertürmen, also innerstädtische Befestigungen, die für die Fehden der Adeligen einer Stadt untereinander errichtet wurden. Sie kamen im 12. Jh. In Italien auf und verloren ihre Bedeutung mit der beginnenden Bürgerbewegung im 14. Jh. Tatsächlich ist er hier eine Produktionsanlage, ein Schrotkugelturm, hier hat eine Bleischmelze Schrotkugeln hergestellt.

Gegenüber steht eine himmelzeigende mächtige neugotische Kirche, die Erlöserkirche, die mit Unterstützung der Kaiserin Auguste Victoria gebaut wurde (auch "Kirchenjuste" genannt, ich kenne sie auch als Vorkämpferin gegen Säuglingssterblichkeit, bin ich doch in von ihr gegründeten Kinderkrankenhaus in Charlottenburg geboren). Daneben finden wir einen Gebäudekomplex der Bundesanstalt für Arbeitssicherheit (offiziell B-Aua abgekürzt, da soll noch einer sagen, Beamten seien humorlos). Hier eingebunden ist ein altes Gebäude mit offenem Rundturm , leider versteckt hinter Neubauten. Bei den vielen Überwachungskameras, die uns schon beim Herumstreifen um öffentliche Gebäude aufgenommen haben, kann es nicht mehr lange dauern, bis ein Bewegungsprofil von uns erstellt worden ist - hoffentlich ohne nachteilige Folgen für weitere Stadtrundgänge.

An der Schreiberhauer Straße (benannte nach einem Ort in der früheren deutschen Provinz Niederschlesien) hat die BfA einen mächtigen Gebäudekomplex, der u.a. die Mobbingstelle beherbergt. Angrenzend hat ein Investor das Victoria-Center gebaut, eine Einkaufsmöglichkeit mit Fitnessangeboten für die zahl- und namenslosen BfA-Mitarbeiter.

Im Kaskelkiez - benannt nach der Kaskelstraße - werden Brückenunterführungen, die hier bei der Häufung von S-Bahnanlagen vielfach anzutreffen sind, in Kunstwerke verwandelt. Wir sehen an diesem taghellen Sommerabend nicht viel von den Lichtinstallationen, lediglich ein grünes Band, (das an eine Bank erinnert, die hiermit Sympathie ausdrückt), fällt ins Auge.

Heute könnte die Beschreibung noch weiter gehen, unserem Magen war es geschuldet, dass wir irgendwann die Pizzeria Paganini an der Rummelburger Promenade aufsuchten, nicht ohne die Hoffnung, die nicht besuchten Orte in der Victoriastadt später aufzusuchen.

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Ein späterer Besuch in der Viktoriastadt: Nach dem Vorbilde der Bienenarbeit





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Faltschachteln des Billigkonsums
Vorne Wellen, hinten Weltstadt