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Von Laubengängen und Lungenheilanstalten




Stadtbezirk: Friedrichshain
Bereich: Karl-Marx-Allee, Weberwiese, Frankfurter Tor
Stadtplanaufruf: Berlin, Straße der Pariser Kommune
Datum: 21. Dezember 2009

Von Laubengängen und Lungenheilanstalten

Die eigene Wohnung zum Treppenhaus hin durchzulüften, das würde wohl nur wenigen Menschen einfallen. Bei Laubenganghäusern, an denen der Hausflur für alle Etagen wie eine offene Loggia in der Hausfront den Zugang von den Treppentürmen zu den Wohnungen erschließt, ist dies durchaus denkbar. Diese Korridore brauchen keine Außenwand und können mit wenig Fläche viele Wohnungen erreichen. Romantische Laubengänge wurden bereits im Mittelalter in Bozen, Meran oder Trient gebaut, dort findet wegen des milden Klimas ohnehin ein wesentlicher Teil des Lebens im Freien statt. In unseren Breiten hat das bauhaus die Idee der Laubengänge wieder belebt und in sachlicher Form umgesetzt. In den 1950er Jahren, in der Neubesinnung der Architektur nach dem Krieg, wurde das Laubenganghaus zu einer typischen Bauform dieser Zeit.

So verwundert es nicht, dass in der Karl-Marx-Allee 1949 zwei Laubenganghäuser nach den Plänen von Hans Scharoun gebaut wurden, der für kurze Zeit Berlins erster Nachkriegs- Stadtbaudirektor war. Erst danach entwickelte die DDR ihre eigene Identität in der Architektur. Die "Eierkisten, die auch in der afrikanischen Savanne stehen könnten", verletzten nach Meinung Walter Ulbrichts "das Schönheitsempfinden des werktätigen Volkes". Anstelle solcher "Lungenheilanstalten" bebaute man jetzt die inzwischen in Stalinallee umbenannte Straße mit Bauten im Zuckerbäckerstil des russischen Brudervolkes.

1985 versuchte sich die DDR-Bauakademie in Bernau an einem Laubenganghaus, einem lang gestreckten Plattenbau mit Freiluft-Korridoren, die sich in jeder Etage an der Fassade entlang zogen. Die Berliner Zeitung berichtete 2000, die Bernauer hielten dieses Haus "für das hässlichste Gebäude ihrer Stadt", als "Fremdkörper in der historischen Altstadt". Es steht aber für einen Bewusstseinswandel in der DDR, hatte doch schon in der zweiten Ausbaustufe der Stalinallee sachliche Architektur den Zuckerbäckerstil abgelöst.

Wir erforschen heute die Karl-Marx-Allee zwischen Frankfurter Tor und Weberwiese. Hier haben wir die ganze Bandbreite dieser Nachkriegs-Architektur vor Augen, von den Arbeiterpalästen im Stil des Sozialistischen Klassizismus bis zu den Laubenganghäusern an der Weberwiese. Das Kino Kosmos liegt an unserer Route, in dem der Defa-Film "Die Legende von Paul und Paula" nach der Uraufführung 20 Minuten beklatscht wurde. Der hinter dem Eingangsgebäude eiförmig angrenzende Kinobau, auch "Ufo unter den Zuckerbäckerbauten" genannt, wird heute als Eventlocation vermarktet.

Im Umspannwerk Ost in der Palisadenstraße haben wir uns schon mehrfach nach dem Flanieren gestärkt, auch heute genießen wir Essen, Trinken und Atmosphäre in diesem alten Industriebau.

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Hier gibt es einen weiteren Bericht über die Stalinallee:
Stalins Ohr und Tierskulpturen


Stalins Ohr und Tierskulpturen
Mehringplatz, Blücherplatz