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Verbesserung des Zustandes der Fabrikarbeiter




Stadtbezirk: Friedrichshain
Bereich: Weisbachsiedlung, Schlachthof
Stadtplanaufruf: Berlin, Weisbachstraße
Datum: 9. März 2009

Verbesserung des Zustandes der Fabrikarbeiter

Von der S-Bahn an der Landsberger Allee kommend, haben wir heute zwei Ziele: die Weisbachsiedlung von Messel und ein "Update" des Schlachthofgeländes.

Zur Zeit der raschen Industrialisierung ab der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts zeigte die Stadt eine beschämende Fratze: die Industriearbeiter lebten in Armut und Elend, in total überbelegten, oft unbelüfteten Wohnungen ohne sanitäre Einrichtungen, in Kellern und Löchern, Schlafgänger wechselten sich mit den Mietern in der Nutzung derselben Betten ab, auch in den Küchen gab es Schlafplätze. Den großen Straßenquadraten fehlten kleine Erschließungsstraßen, statt dessen hatten die Häuser mehrere hintereinander geschachtelte Innenhöfe, in denen neben Wohnungen auch Handwerks- und kleine Industriebetriebe untergebracht waren, von denen Lärm ausging und die Luft verschmutzt wurde.

Die schlesischen Weberaufstände von 1844 und die "Kartoffelrevolution" von 1847, bei der wegen verheerenden Preisanstiegs auf den Märkten Berlins die Stände geplündert werden, aber auch die Berliner Gewerbeausstellung von 1844 führen dazu, dass gehobene Bürger Verantwortung für das Leiden der Fabrikarbeiter übernehmen und den „Centralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen“ gründeten mit dem Ziel der "Verbesserung des sittlichen und wirthschaftlichen Zustandes der Hand- und Fabrikarbeiter. Vom Marketinginstrument bis zur Wohlfahrtseinrichtung, von gewerkschaftlichen Aktivitäten (Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz) bis zur kaiserlichen "lebhaften Theilnahme" und Unterstützung gingen die Strömungen in diesem Verein.

1888 gründete sich in Folge dieser Aktivitäten der "Verein zur Verbesserung der kleinen Wohnungen in Berlin". Der Architekt Alfred Messel und der Bankier und Mäzen Valentin Weisbach arbeiteten hier zusammen. Da das ursprüngliche Ziel, unwirtliche Behausungen aufzukaufen und bewohnbar zu machen, wegen der spekulativ hohen Bodenpreise nicht umsetzbar war, wollte der Verein bezahlbare Arbeiterwohnungen neu bauen.

Weisbach erwarb das unbebaute Gelände neben dem Städtischen Vieh- und Schlachthof an der Landsberger Allee und legte zunächst Erschließungsstraßen in dem Straßenquadrat an. Der Regierungsbaumeister Alfred Messel, der auch das Warenhaus Wertheim am Leipziger Platz entworfen hatte, wurde mit der Planung der Wohngebäude beauftragt. Er ging bei seinen Wohnungsbauten neue Wege und gruppierte wie in seinem Bauprojekt Sickingenstraße die Wohnungen um einen geräumigen, vom Straßenlärm abgeschirmten Innenhof. Jede Wohnung besaß Ofenheizung und ein eigenes WC. Die Küchen mit Speisekammern waren klein, aber funktional. Die Zimmer entsprachen normalen Wohnbedürfnissen und erhielten fast überreichlich Licht und Luft, „Berliner Zimmer“ gab es nicht, Im Hof befand sich ein "Wohlfahrtshaus" mit Gemeinschaftsräumen, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner stärken sollten: Es gab eine Badeanstalt und einen eigenen Kindergarten. Auf eine Tordurchfahrt auf den Hof verzichtete er bewusst, kein Gewerbebetrieb sollte den Frieden der Hausbewohner stören.

Die Fassaden der Bauten sind vielfältig gestaltet, kein Hauseingang gleicht dem anderen. Mit unterschiedlichen Giebelformen und Bauhöhen wurde die typische Mietskasernenöde vermieden. Die von Messel konzipierten städtebaulichen Räume erfüllen noch heute ihre Funktion. Die Wohnungsanlage ist nach der Wende saniert worden, die Haustechnik wurde erneuert, der Zuschnitt der Wohnungen und Freiräume blieb unverändert. Eingänge und Zugänge zum Hof sind verschlossen. Glücklicherweise finden wir einen Menschen, der uns bereitwillig aufschließt und Treppenhaus und Hof zeigt.

Auf dem Rückweg gehen wir über das ehemalige Schlachthausgelände. Die verlassenen Hallen an der Landsberger Allee halten erstaunlich gut dem "Zahn der Zeit" stand, sie sind aber nicht mehr verschlossen, und es steht zu befürchten, dass nicht nur Fotografen die offen stehenden Eingangstüren nutzen.



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