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Sonntagsbesuch im Naturerfahrungsraum


Stadtteil: Kreuzberg
Bereich: Gleisdreieck
Stadtplanaufruf: Berlin, Möckernstraße
Datum: 25. April 2010

Was kann ein Kind mit Wasser und Sand machen? Manschen, klatschen, patschen, panschen! Für Stadtkinder, die nur Monitore von Computern und TV kennen und asphaltierte Straßen, gibt es den "Naturerfahrungsraum" am Gleisdreieck. (Für Kinder, die nur lila Kühe kennen, sei ein Ausflug ins Brandenburgische Umland empfohlen). Der Naturerfahrungsraum ist durch einen Zaun vom Park auf dem Gleisdreieck abgegrenzt. Warum? Ganz einfach: den Park gibt es noch nicht, nur den Platz dafür! Und Erdhügel, vor deren Betreten gewarnt wird, weil sie abrutschen könnten, und vereinzelte Vegetations-Inseln mit gerettetem Bewuchs, sie sollen in den Park integriert werden, und Mauern und Gleise drum herum und drüber weg.

"Grün Berlin" hatte zur Parkführung eingeladen, und plötzlich standen am Sonntag Nachmittag hundert Berliner zum Erstaunen der mit der Führung betrauten Mitarbeiter vor dem Zaun und wollten schauen, was dahinter geschieht oder geschehen soll. Zu sehen war noch nicht viel, aber zu den Wortschöpfungen der Landschaftsarchitekten und Stadtplaner konnte man sich Phantasien machen: "generationsübergreifend", "interkulturell", "unterirdische Bewässerung", "Fahrradweg Berlin-Leipzig", "Generalszug-Brücke". Heute noch eine Stadtbrache, soll der Park einmal Teil eines Grünzuges vom Regierungsviertel zum Schöneberger Eisenbahn-Südgelände (1) werden und "in das überregionale Radwegekonzept eingebunden werden". Daher auch "die Wege der zwei Geschwindigkeiten", nämlich für Fußgänger und für Radfahrer. Diese Sprache ist so blumenreich wie vietnamesische Ortsbezeichnungen, ich erinnere mich an den "See des zurückgegebenen Schwertes", den "Fluss der Wohlgerüche", den "Wolkenpass", die "Bucht des absteigenden Drachen".

Der Park auf dem Gleisdreieck wird in einen Ost- und einen Westbereich gegliedert (2). Ich lese im Prospekt: "Die zentralen Rasenflächen erhalten einen multifunktional nutzbaren Rahmen, der auch Reste der ehemaligen Bahnnutzung und wertvolle Teile der Bestandsvegetation einschließt". Also ein paar Bäume, ein paar Schienen und ein kleines Wäldchen bleiben erhalten, auch zwei kleine Stellwerkgebäude. Ansonsten wird der Park für die "grüne Pause" der im Umkreis arbeitenden Bevölkerung auf einem vorhandenen Niveau vier Meter oberhalb der Straße "die Atmosphäre von Weite und Freiheit erlebbar" machen. Ist das nicht die Abwandlung einer Stuyvesant-Reklame? Von der Musikveranstaltung bis zum Autokino ist vieles denkbar, weitere experimentelle Nutzungen und Projekte sollen folgen.

Auf dem Weg von der Bülowstraße zu den Yorkbrücken haben wir als Flaneure schon einmal ärgerlich vor dem verschlossenen Zaun gestanden, weil wir den Hinweistafeln vertraut haben (3). Auf eigene Faust kann man legal den Park noch nicht erkunden, und der Wachmann mit Hund lädt nicht dazu ein, heimlich einen Zugang zu suchen.

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(1) Mehr über das Schöneberger Eisenbahn-Südgelände: Südgelände Naturpark
(2) Mehr über den Gleisdreieck-Park: Gleisdreieck-Park
(3) Der Spaziergang von der Bülowstraße zu den Yorkbrücken: Unter den Brücken


Mehringplatz, Blücherplatz
Vorne Taut - hinten Baller