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Schöne neue Welt


Stadtteil: Friedrichshain
Bereich: Media-Spree
Stadtplanaufruf: Berlin, Valeska-Gert-Straße
Datum: 4. November 2019
Bericht Nr.: 675

Verließ man vor zehn Jahren den Ostbahnhof Richtung Südosten, dann breitete sich nebenan um den historischen Postbahnhof eine gähnende Ödnis aus. Heute ist der Bereich durch ausgedehnte Bautätigkeit und Neubauten geprägt, neue Straßen wurden angelegt, der Ortsteil Media-Spree ist im Begriff zu entstehen.

Postbahnhof
Der Postbahnhof - ein mächtiges Backsteingebäude mit zwei Türmen - hatte einen eigenen Gleisanschluss. Hier wurde die eingehende und ausgehende Post sortiert, verteilt, weitergeleitet. Zu dem Komplex gehörte das Postamt O 17. Von den Bauten der Königlichen Eisenbahndirektion sind verstreut zwischen den Neubauten erhalten geblieben das Eisenbahnviadukt, ein Wasserturm und ein Amtsgebäude mit Pförtnerhaus.


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East-Side-Gallery
Entlang der Mühlenstraße blieb der längste Teil der DDR-Grenzmauer in Berlin stehen. Sie wurde von der DDR verkehrt herum aufgestellt, denn eigentlich zeigte diese Seite der Mauerelemente sonst immer nach West-Berlin. Da die Ost-Berliner Mühlenstraße aber Protokollstrecke war, hat die DDR hier nicht die übliche "schäbige" Hinterlandmauer aufgestellt, sondern die "schönere" Grenzmauer zur DDR-Seite gewendet. Künstler haben nach der Wende auf ihr mit gut einhundert Bildern die Teilung, Grenzsituation und Wiedervereinigung kommentiert, daraus entstand die East-Side-Gallery. Seit fast drei Jahrzehnten sieht man hier den Bruderkuss von Honecker und Breschnew mit dem Kommentar: "Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“.

Obwohl die East-Side-Gallery als Denkmal geschützt ist, wurde sie für ein Bauprojekt auf dem ehemaligen Grenzstreifen durchbrochen. Bereits 1992, vor dem Start der Media-Spree, war der Streifen zwischen East-Side-Gallery und Spree an Investoren vergeben worden.

"Leben Sie ruhig mittendrin"
Nach dem Bürgerentscheid zur Media-Spree kaufte die Stadt die Grundstücke zurück, um hier einen Park anzulegen. Nur zwei Investoren weigerten sich, zu verkaufen. Das daraufhin fertiggestellte Hochhaus sog. "Living Bauhaus" gießt noch Öl ins Feuer mit seinem Vermarktungsspruch "Leben Sie ruhig mittendrin". Das Nachbargrundstück wird gerade von dem anderen Investor mit einem achtzig Meter langen Gebäuderiegel bebaut.


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Wieder einmal wurde in Berlin erst gehandelt und dann nachgedacht. Das war bei der Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße so. Dort wurden private Häuser errichtet auf dem Grenzstreifen, bevor man sich entschloss, den Mauerbereich als Gedenkstätte auszubauen. Und das ist bei der Media-Spree so, dass der Uferstreifen erst für einen öffentlichen Weg vorgesehen wurde, als Investoren sich längst die Grundstücke bis zum Wasser gesichert haben. Da konnte auch die Initiative "Media-Spree versenken" nicht mehr viel retten.

Kommerz am Mercedes-Platz
Wer die Friedrichstraße, den Kudamm mit Tauentzien, den Alexanderplatz kennt, hat ein Bild davon, wie Kommerz sich im Stadtbild zeigt: mit Boutiquen, edlen und weniger edlen Shops, mit Warenhäusern, Shopping-Malls. Wie weit Kommerzialisierung getrieben werden kann, erfährt man aber erst in Friedrichshain bei der Media-Spree am Mercedes-Platz.

Der Platz mit der Mercedes-Arena an der Stirnseite wird auf beiden Seiten flankiert von Geschäftsgebäuden mit Video-Werbewänden. Weitere Video-Werbeflächen befinden sich auf acht Stelen direkt am Platz, die ihre Bilder jeweils nach zwei Seiten zeigen. Auf allen Projektionsflächen wird in kurzem Wechsel synchron dieselbe Werbung gezeigt. Von demselben Video wird man gleichzeitig 18 Mal auf diesem Platz beballert. Schöne neue Welt des Kommerzes.


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Die Angestellten
Am Abend schauen wir vom Restaurant Rio Grande am Kreuzberger Ufer auf die Schöne Mercedes-Welt, die zugleich ein "Zalando-Campus" ist, auch wenn dessen Name kleiner an den Gebäuden steht. Im Restaurant können wir mit Mühe noch Plätze ergattern, fast alles ist besetzt durch moderne lässige business-people, trotzdem werden wir schnell und aufmerksam bedient.

Schon als mittags die Mitarbeiter*innen aus den Büros auf den Mercedes-Platz drängten, musste ich an Siegfried Kracauers Sozialstudie über die Angestellten denken. "Die Angestellten sind eine Gruppe, geprägt durch einen mobilen, zukunftsoffenen, technisch-industriellen Lebensstil, aber als Masse gleichförmig, uniformiert, erstarrt, gedrillt. Sie sind 'geistig obdachlos', reich an Illusionen und Verdrängungen, aber ohne jede Tradition" hatte ich seine Beobachtungen einmal zusammengefasst. Das schilderte er in den 1920er Jahren, hat sich seitdem etwas verändert?

In dieser Woche wird an die Maueröffnung vor 30 Jahren erinnert. In der Spree und an der wasserzugewandten Seite der East-Side-Gallery gibt es Installationen und Videoprojektionen zu sehen, über die wir in einem eigenen Beitrag berichten.

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Unsere Route:
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Inseln im Meer der Stadt