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Ankern oder in der Spree versenken




Stadtbezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Bereich: Oberbaumbrücke, Schillingbrücke, Media-Spree
Stadtplanaufruf: Berlin, Oberbaumbrücke
Datum: 2.Juni 2008

Wenn man vom Bahnsteig Warschauer Straße die provisorische Treppe hochsteigt zum Straßenniveau (ein Bahnhofsgebäude gibt es ja zur Zeit nicht), dann sind es nur ein paar Schritte bis zur Oberbaumbrücke. Auf diesem Weg steht bereits die erste riesige elektronische Anschlagtafel der O2-World. Hier sind wir mitten drin im "Ankerplatz Zukunft", wie sich die "Media-Spree" auch nennt, die das fast 4 km lange Areal zwischen Jannowitzbrücke und Elsenbrücke entwickeln will. Hier, wo sich früher Ost- und Westberlin gegenüberstanden (die Mauer mit der East-Side-Gallery zeigt dies plastisch), soll rund um die im Bau befindliche Veranstaltungshalle O2-Arena ein neues Stadtviertel entstehen. Geplant ist auch ein "Park an der Spree", der über "Spreefenster" mit dem Ostbahnhof und den Neubauten verbunden wird und in den die East-Side-Gallery integriert werden soll.

Die East-Side-Gallery macht einen trostlosen Eindruck. Die Besucher, die anderswo ihre Nachrichten in Bäume ritzen, malen hier ungehindert ihre Namen auf die Bilder, deren Oberfläche sowieso abblättert. Manche Bilder sind nur noch als Karikaturen auf der Innenseite (Ostseite) der Mauer erhalten wie das berühmte Kussbild von Honnecker und Breschnew. Hinter der Mauer kann man im Strandbad "Oststrand" Sand unter den Füßen spüren und die Sonne anbeten, was trotz des sonnigen Abends nicht viele Leute anlockt.

Wie ein von den Marsmenschen verlassenes Ufo steht die O2-World inmitten einer Asphalt- und Sandwüste, eingerahmt von neuen Straßen, die bisher nur leere Grundstücke erschließen. Mir misslingt der Versuch, der Halle eine architektonische Idee zu entlocken, sie fotografisch zum Lächeln zu bringen, ihr etwas Erstaunenswertes oder Exemplarisches oder auch nur Hochnäsiges abzugewinnen, ohne Charisma steht sie an ihrem Platz. Das ging mir schon so, als ich sie vor Kurzem vom Spreedampfer aus gesehen habe, sie hat ja eine eigene Anlegestelle, für die 45 Meter aus der East-Side-Gallery herausgenommen wurden.

Dabei wird die Glasfassade der Halle zu einer elektronischen Riesenleinwand, einer der größten outdoor-Installationen der Welt, auf der Homepage sogar umrahmt von Scheinwerfern, die den Himmel absuchen. Die Halle selbst kann sich innerhalb weniger Stunden von einer Eishockey-Arena in eine festliche Konzerthalle verwandeln. Im Herbst wird der Dalai Lama als einer der ersten in der Halle auftreten, da wird man vielleicht sehen, wie variationsreich die Halle gestaltet werden kann. Im Innern der Halle wird es ein 300 Meter langes Schriftband für Schriftzüge, Grafiken und Multimedia geben und einen achteckiger Videowürfel unter der Decke als Anschlagtafel und für Filmprojektionen.

Die Bürgerinitiative "Spreeufer für alle" kritisiert, dass für die "Media-Spree" öffentlicher Raum privatisiert wird, sie verlangt 50 Meter Abstand der Bauten vom Ufer, eine maximale Höhe von 22 Metern für Neubauten ("Berliner Traufhöhe") sowie den Verzicht auf eine neue Autobrücke über die Spree. Das Bürgerbegehren der Initiative "Media-Spree Versenken" hat die nötigen Stimmen für einen Bürgerentscheid gesammelt, der im Juli 2008 stattfinden soll.

Wir verlassen die Media-Spree Richtung Kreuzberg und finden an der Eisenbahn-Markthalle ein Lokal, das uns draußen auf der Straße mit dem Flaneuressen versorgt.





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Am Wühltisch
Architektur in Kreuzberg