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Polizeipräsident beim Duell getötet


Stadtteil: Charlottenburg
Bereich: Jungfernheide
Stadtplanaufruf: Berlin, Jakob-Kaiser-Platz
Datum: 6. Juli 2009

Am Waldrand der Jungfernheide war ein guter Platz für Ehrenhändel. 1856 wollte hier ein Polizeipräsident Satisfaktion für eine Beleidigung erhalten. Er wurde dabei erschossen, so musste er sich nicht mehr wegen der Übertretung des von ihm durchzusetzenden polizeilichen Duellierungsverbots verantworten. Seit 1848 war Ludwig von Hinckeldey gleichzeitig preußischer Generalpolizeidirektor und Berliner Polizeipräsident. Nicht nur bei dem misslungenen Duell war sein Wirken durchaus zwiespältig. Er unterdrückte jede demokratische Regung der Berliner, schuf eine militärisch organisierte Polizeitruppe. Andererseits wurden Berufsfeuerwehr, Lebensmittelhygiene, Trinkwasserversorgung, Straßenreinigung, Einwohnermeldeamt von ihm organisiert. Sein von preußischem Gerechtigkeitssinn geprägtes Vorgehen gegen einen feudalen Spielklub des Hochadels führte schließlich zu dem Duell, bei dem er von seinem adligen Widersacher Hans von Rochow erschossen wurde.

Nach seinem Tod wurde er plötzlich von den Berlinern verehrt, Hunderttausend sollen sich seinem Trauerzug angeschlossen haben. Eine Straße wurde 1953 nach ihm benannt, der Hinckeldeydamm (jetzt Kurt-Schumacher-Damm). Ein Gedenkkreuz wurde aufgestellt, das heute wegen der Stadtautobahn ins Abseits geraten ist. Schon damals konnte der Tod einer Person des öffentlichen Lebens die Menschen mehr bewegen als sein Leben. In unserer Zeit haben wir ähnliches bei Lady Diana und jetzt gerade bei Michael Jackson erlebt.

Die Jungfernheide war auch der Schauplatz der letzten Hinrichtung auf einem preußische Scheiterhaufen: 1813 wurden zwei Mitglieder der Mordbrennerbande für ihre groß angelegten Raubzüge mit Morden und Brandstiftungen bestraft.

Dabei hatte alles so unschuldig angefangen mit der Jungfernheide.1239 wurde das Benediktinerinnenklosters St. Marien gegründet, Es lag an der heutigen Spandauer Klosterstraße. Die Nonnendammallee und die Jungfernheide erinnern heute noch an das Kloster, das sich im Laufe der Zeit zur wohlhabendsten und einflussreichsten mittelalterlichen Abtei in der Mark Brandenburg entwickelte als (Mit-)Eigentümer beispielsweise der Dörfer Lietzow, Schöneberg, Gatow, Kladow, Plötzensee. Im 19.Jahrhundert nutzten die Kurfürsten und Könige die Jungfernheide als Jagdrevier, ein Teil wurde zum Exerzier- und Schießplatz.

Ende des 19.Jahrhunderts vollzogen die großen Berliner Industriebetriebe (beispielsweise Borsig, AEG) eine Randwanderung weg von der stadtnahen Lage (Chausseestraße) in die Außenbezirke nach Moabit, Wedding, Tegel. Siemens kaufte das Gebiet der Nonnenwiesen, den so genannten Hühner-Werder beidseits des Nonnendammes zwischen der südlichen Jungfernheide und der Spree und siedelte sich dort an. Grund und Boden war dort preiswert, die Spree als Transportweg und die Ringbahnstationen Westend und Jungfernheide als Bahnverbindung für die Arbeiter vorhanden. Außerdem gab es hier keine Konkurrenz, die die Arbeitskräfte hätte abwerben können.

Die Jungfernheide war damals ein Waldgebiet mit Wiesen und Sümpfen. Ab 1920 schuf der Charlottenburger und später Groß-Berliner Gartenbaudirektor Erwin Barth hier den zweitgrößte Berliner Park, so groß wie zwei Drittel des Tiergartens. Innerhalb des Waldgebietes wurde ein geometrischer Kernbereich mit Spiel- und Liegewiesen, Freibad, Gartentheater, Kindererholungsstätte, Baumschule, Sportplätzen und Wildgehege angelegt, Ein 38 Meter hoher Wasserturm, ein expressionistischer Klinkerbau, sollte eigentlich eine Gaststätte bekommen, diese wurde aber nicht verwirklicht. Der Park hat eine Ost-West-Hauptachse und einen 4 km langen Rundweg. Wie sehr das Versailler Friedensdiktat der Siegermächte des 1.Weltkrieges die Menschen bewegt hat kann man daran ermessen, dass Barth sich für die barocke Anlage mit Anklängen an den Schlosspark von Versailles öffentlich rechtfertigen musste, obwohl hier keine Fontänen sprühten.

Der Landschaftspark wurde zum Teil von Arbeitslosen in einem Notstandsprogramm gebaut, es war die Zeit der Wirtschaftskrise. Durch einen Deal mit der Westhafengesellschaft konnte Barth einen Teil der Kosten einsparen: sie durfte den Bodenaushub aus dem Westhafen im südlichen Volkspark verteilen und übernahm dafür das Ausschachten des künstlichen Teiches im Park. Der Teich erhält über den Nonnengrabenkanal ständig frischen Zufluss aus dem Spandauer Schifffahrtskanal und gibt sein Wasser an die tiefer gelegene Spree ab.

Durch den Ausbau des Tegeler Weges (heute Kurt-Schumacher-Damm) und der Autobahn wurden nach dem 2.Weltkrieg östliche Teile des Parks und der Haupteingang zerstört, nach historischem Vorbild hat man neue Eingänge gebaut. Von den zwei "Bären mit spielenden Kindern" an der Hauptallee unweit des Eingangs am Kurt-Schumacher-Damm ist nur noch einer vorhanden. Im Süden grenzt an den Park die Ringsiedlung an, die Großsiedlung Siemensstadt rund um den Goebelplatz, die vor kurzem zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Den Namen erhielt die Siedlung von der Architektengemeinschaft "Der Ring", deren Mitglieder Bartning, Forbat, Gropius, Häring, Henning und Scharoun hier bauten. Der Platz erinnert an den deutschen Auswanderer Heinrich Göbel, der in den USA erfolglos Thomas Edison die Erfindung der Glühlampe streitig machen wollte. Da er amerikanischer Staatsbürger geworden war, wird er auf dem Straßenschild richtig mit "oe" und nicht mit Umlaut geschrieben.

Am Quellweg fanden wir einen nicht besonders erwähnenswerten Italiener, der etwas zu Essen auf den Tisch stellte.

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