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Die weiße Frau


Stadtteil: Charlottenburg
Bereich: Zoo, Gedächtniskirche
Stadtplanaufruf: Berlin, Breitscheidplatz
Datum: 20. Oktober 2008

Im Berliner Stadtschloss gab es als Schlossgespenst eine Weiße Frau, der selbst der tapfere Napoleon nicht begegnen wollte. Sie trug ein weißes Gewand mit weißem Witwenschleier und schwebte durch die Hallen und Gänge. Hatte sie ausnahmsweise schwarze Handschuhe an, dann folgte ihrem Erscheinen ein Todesfall in der Familie der Hohenzollern. Ganz in schwarz gekleidete war die Erscheinung einer Frau, die dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. im Charlottenburger Schloss den Tod seiner Frau Königin Luise angekündigt hatte.

Die Weiße Frau sah, wenn sie keine schwarzen Handschuhe trug, im Schloss nach dem Rechten, versetzte nachlässige Diener in Schrecknisse, bereitete "wie von Geisterhand" vor Festlichkeiten die Tafel und beseitigte danach alle Spuren des vergangenen Festes. Wenn man ihr nachts auf den Gängen begegnete, erwiderte sie einen Gruß durch stummes Kopfnicken. Sie beugte sich über die Wiegen der königlichen Kinder oder trug sie in ihren Armen herum.

1598 soll die Weiße Frau erstmalig erschienen sein, um den Tod des Kurfürsten Johann Georg vorherzusagen. Die Erscheinung könnte man als sein personifiziertes schlechtes Gewissen deuten, hatte er doch das Wort gebrochen, das er seinem Vater auf dessen Sterbebett gegeben hatte. Kurfürst Joachim II. - der Vater von Johann Georg - befürchtete, dass seine Konkubine Anna Sydow nach seinem Tod "gekränkt oder verunehrt" werden könnte. Das Versprechen, sie zu schützen, löste sein Sohn aber nicht ein und ließ die "schöne Gießerin" - wie die Sydow genannt wurde - bis zu ihrem Tod in der Spandauer Festung schmoren. Wen wundert’s, dass sich ihr Geist beim Tod des Sohnes noch einmal in Erinnerung brachte.

Joachim II. hatte sich erst eine Konkubine zugelegt, als seine erste Frau gestorben und die zweite durch einen Unfall behindert war. Dass die Sydow verheiratet war, störte nicht, ihr Mann wurde mit dem Job des Leiters einer kurfürstlichen Gießerei abgefunden. Joachim II. war ein passionierter Jäger, das von ihm errichtete Jagdschloss Grunewald wurde nicht nur von Jagdgesellschaften genutzt, hier wohnte auch jahrzehntelang Anna Sydow. Manchmal wird die Sage so erzählt, dass die Sydow nicht in Spandau starb, sondern im Jagdschloss lebendig eingemauert wurde und hier als Weiße Frau umherspukt.

Die Hohenzollern hatten in vielen ihrer Schlösser eine Weiße Frau, auf die sie alle Wünsche nach Harmonie und Schutz projizierten. So zeigten sie: Nicht nur von Gottes Gnaden ist unsere Herrschaft, auch mit den guten Geistern, die um uns sind, leben wir in Frieden und werden von ihnen geachtet und beschützt.

Kurfürst Johann Sigismund - der Enkel von Johann Georg - hatte weniger Vertrauen zu der Erscheinung, weshalb er vor der Weißen Frau ins Nikolaiviertel floh. Um daran zu erinnern, werden jetzt knapp zwei Wochen lang die Kirchtürme der Nikolaikirche weiß angestrahlt. Diese Lichtinstallation ist Teil des "Festivals Of Light", das wieder viele Bauwerke farbig illuminiert(--> 1). Es sind diesmal nicht die großen Flächen, die in Farbe getaucht werden, sondern die kleinen Winkel, Fassadenelemente, Fensterachsen, Dachziegel, Arkaden, Torbögen, so dass sich vieles erst erschließt, wenn man sich dem Bauwerk nähert. Andererseits stellt von Scheinwerfern gebündeltes Licht Verbindungen zwischen den Gebäuden her oder strahlt von hier aus gerade nach oben in den Nachthimmel.

Bereits berichtet hatte ich vor einer Woche über eine Lichtuhr mit einem Durchmesser von 60 Metern auf dem Marx-Engels-Forum, die als größte der Welt in das Guinness-Buch der Rekorde eingehen soll (--> 2). Unser heutiger Spaziergang führt uns in die alte City West. Rathaus Charlottenburg, das "Gürteltier" der Industrie- und Handelskammer, ein Hotel, eine Bank, das Neue Kranzler-Eck, das Elefantentor (Zoo) liegen auf der Route. Besonders eindrucksvoll beleuchtet ist die Gedächtniskirche, die selbstbewusst ihre Wunden mit heftigen Farben und Lichtbündeln herausstellt.

Das Festival hat (fast) alle Fotografen angelockt, überall Stative oder atemloses Auslöserdrücken. In den Blogs im Internet finden sich so verbreitenswerte Aussagen wie "Ich war auch schon auf Fototour" (Lichtkritiker-Blog) oder "Oh….coool da gibt es Fotos, die sind sogar besser als meine… gibt’s doch gar net !!!" (Blog mit Namen CurrywurstimStehen). Uns steht der Sinn weder im Internet noch beim Rundgang nach Currywurst und so wir finden am Wittenbergplatz unerwartet (weil im touristischen Umfeld) im Lokal "Paydos" phantasievolle Fleischgerichte von guter Qualität.

(Textversion vom 4.11.2012)
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(1) alle Festival-of-Lights-Beiträge: Festival Of Lights
(2) Lichtuhr auf dem Marx-Engels-Forum: Sucht sich einen Platz unter dem Apfelbaum

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Von der Badebude zum Tanzpalast
Spreestadt